Bauernkriege
Miniatur: Kreuzzug gegen die aufständischen Stedinger Bauern
Bauernkrieg 1229 bis 1234 - Kreuzzug der Kirche gegen freie Bauern

Der Schauplatz mehrerer Kreuzzüge in Norddeutschland ist das Siedlungsgebiet der Stedinger Bauern westlich von Bremen. Die Kölner Chronik berichtet:

Die stedingischen Völker, die an der Grenze von Friesland und Sachsen lebten, waren von unwegsamen Sümpfen und Flüssen umgeben.

Das Bremer Erzbistum hatte in den unbewohnten Bruch- und Moorlandschaften Bauern angesiedelt. Um das Land fruchtbar zu machen, mussten vor allem Deiche gebaut werden, da das Hochwasser der Nordsee bis in den Unterlauf der Weser eindringt. Um Anreize für die mühsame Urbarmachung zu schaffen, waren die Höfe vererbbar und die Abgaben beschränkten sich auf den Kirchenzehnten der Erträge.

Bischof stellt Kriegszustand her

Als der Fleiß der Stedinger Früchte zu tragen beginnt, wächst die Begehrlichkeit der benachbarten Feudalherren. Sie bauen Burgen an den Grenzen, deren Besatzungen Abgaben erheben und den Frauen der Bauern nachstellen. Die Stedinger sahen sich als freie Bauern und schritten gemeinsam zur Verteidigung ihres Landes. Als Schwurbrüderschaft militärisch organisiert, gelang den Bauern die Zerstörung der Zwingburgen. Der Erfolg stärkte ihr Selbstbewusstsein und sie verweigerten nun auch die Zahlung des Kirchenzehnten. Ende 1229 läßt der Erzbischof von Bremen ein Ritterheer in das Gebiet der Stedinger einrücken. Die Bauern besiegen die gepanzerten Reiter und zerstören die Burg Schlütterberg. Anschließend überfallen die Bauern das Kloster Hude, weil die Mönche ihr Land beanspruchen. Den Kirchenbann fürchten die Aufständischen längst nicht mehr. Die Kölner Chronik:

Nachdem sie wegen ihrer Frevel und ihrer Zehntenverweigerung seit vielen Jahren gebannt waren, wurden sie als Verächter der Schlüsselgewalt der Kirche betrachtet.

Inquisition schlägt zu

Nun machen sich die Ketzerverfolger des Dominikanerordens gutachterlich ans Werk. Auf einer Synode in Bremen werden im März 1231 die Stedinger Bauern kollektiv zu Ketzern erklärt. Damit sind sie rechtlos. Der Erzbischof, Gerhard II., verliest das Urteil.

Es ist offensichtlich, dass die Stedinger den Schlüssel der Kirche und die Sakramente völlig verachten, die Lehre der Kirche für Tand halten, dass sie Geistliche jeder Regel und jeden Ordens anfallen, dass sie Klöster und Kirchen durch Raub und Brand verwüsten, und dass sie ohne Scheu Schwüre brechen.

Weiter verurteilt der Erzbischof die Stedinger wegen Hostienfrevels, Wahrsagerei und der Anfertigung von Götzenbildern. Es handelt sich um den üblichen Katalog der Anschuldigungen. Beweise, Verteidiger und eine Berufung gibt es nicht.

Kreuzzpredigt

Ein Jahr später lässt Papst Gregor das Kreuz gegen die Stedinger predigen, worauf im Sommer 1233 ein Kreuzheer auf das Gebiet der Stedinger vordring. Die Sächsische Weltchronik notiert:

Sie brandschatzten das Land und erschlugen mehr als vierhundert Männer, Frauen und Kinder.

Der zugesagte irdische und himmlische Lohn hatte Bewaffnete aus halb Deutschland angelockt. Aber die Stedinger Bauern können das Kreuzheer im Juli beim Hemmelskamper Walde noch einmal besiegen und in die Flucht schlagen.

Bauern erliegen der Übermacht - die Schlacht bei Altenesch

Papst Gregor hatte den Kreuzfahrern die Privilegien der Jerusalempilger zugesagt. Ihre Niederlage könnte als Gottesurteil gelten. Besorgt entsendet der Papst einen Legaten, der zwischen den Parteien vermitteln soll. Zu spät. Im Mai 1234 dringt ein weiteres Kreuzheer in Stedingen ein, zwischen fünf und Zehntausende Bewaffnete aus Holland, Flandern und Deutschland. Es gelingt den Kreuzfahrern, mit Hilfe von Schiffsbrücken Brückenköpfe zu errichten. Auf den Deichen stehen Kleriker, um die Moral der Truppe durch Choräle zu stärken. Die Bauern sind zahlenmäßig unterlegen und schlechter bewaffnet. Der Abt des Klosters von Stade notiert:

So stark kam die Hand des Herren über sie, dass in kurzer Zeit sechstausend von ihnen zugrunde gingen. Die meisten kamen auf der Flucht in einer Grube und der Weser um.

Die Besiegten Stedinger waren rechtlos, die Sieger konnten nach belieben plündern und töten. Papst Gregor hatte in seinem Aufruf erklärt:

Wer das Kreuz zur Ausmerzung der Ketzer angenommen hat, soll sich des Ablasses erfreuen, der für die Unterstützung des Heiligen Landes gewährt wird... Die Verderbten sollen Entschädigungen leisten.

Die Enteignung des Grundbesitzes war als von Anfang an beschlossene Sache. Klerus und weltliche Feudalherren teilten sich die Beute. Das Land, das die Stedinger Bauern urbar gemacht hatten, wurde nun von unfreien Bauern bearbeitet. Das Problem der Abgabenerhebung war damit geregelt.

Nachlese

Die Toten sollen sich unter der heutigen St.-Gallus-Kirche befinden. Als der Papst den Bann über sie aufhebt, ist von Aberglauben und Götzendienst keine Rede mehr. Die Anklage lautet nur auf Ungehorsam und Aufsässigkeit. Verketzerung und Kreuzzug dienten zur Niederschlagung eines Bauernaufstandes. Nach der Reformation, im Jahr 1834, wurden die Ereignisse vor von lokalen Patrioten neu bewertet. Ein Denkmal Stedinger Ehre genannt, am vermutlichen Schlachtort errichtet, trägt die Inschrift:

Am 27. Mai 1234 unterlag dem mächtigen Feinde das tapfere Volk.
Kinderkreuzzüge
Hauptseite