Kirche und Krieg

Zur Vorgeschichte der Kreuzzüge
Synode in Clermont Kreuzfahrer schleudern die Köpfe von Türken
Das Konzil in Clermon 1095. Aufruf zur Gewalt gegen die FEINDE GOTTES; speziell gegen DIE TÜRKEN: Durchführung: sogenannte Kreuzritter schleuderen Köpfe der TÜRKEN in eine belagerte Stadt
CHRISTLICHER KRIEG

325 n. Chr. Nikaia

Ein Konzil in Nikaia soll den innerkirchlichen Streit schlichten. Abweichende Lehrmeinungen hatten zur Bildung von Parteien geführt, die sich heftige Kämpfe um Glaubensformeln und Bischofssitze liefern. Nachdem Kaiser Konstantin den christlichen Kult zugelassen hat, will er hier in Nikaia aus Gründen der Staatsraison den Kirchenstreit beenden. Die Auseinandersetzungen hatten mit einem philosophischen Problem begonnen: Wenn Gott ewig und unveränderlich ist, wie kann er dann Vater werden? Der Disput spaltet nicht nur die Kirche, sondern auch die Gläubigen. Auf einigen Konzilien war es zu Prügeleien gekommen, die mit regelrechten Straßenschlachten geendet hatten. Kaiser Konstantin setzt in Nikaia die Glaubensformel durch, nach der Christus mit Gott wesensgleich ist. Die Gegner dieser Auffassung, die Arianer, werden gleichzeitig als Abweichler, als Häretiker verurteilt. Die Anhänger des Arius werden gewaltsam daran gehindert, ihre Thesen vorzutragen. Der Kaiser sieht in der Kirche eine ordnende Stütze des Staates, die Kirche nimmt diese Rolle an. Damit werden abweichende Meinungen zu einer politischen Bedrohung. Das Konzil läßt die Schriften der Arianer verbrennen. Besitz und Lektüre waren nunmehr strafbar.

361. Alexandria (Ägypten)

Die Arianer geben sich nicht geschlagen. Beim Kampf etwa um das reiche Patriarchat von Alexandria kam es mehrfach zu blutigen Straßenschlachten. Im Jahr 361 wird der arianische Bischof Georg von seinen orthodoxen Gegnern umgebracht. Es trifft keinen Pazifisten. Der Bischof hatte sich durch erhebliche Grausamkeit unbeliebt gemacht.

366. Rom

Mit Damasus und Ursinius gibt es zwei Anwärter auf den Stuhl des Bischofs. Ihre Anhänger bewaffnen sich und liefern sich mehrere Gefechte. Die Polizeikräfte können die Ordnung nicht herstellen und ziehen sich an den Stadtrand zurück. Damasus gewinnt den Bürgerkrieg und den Bischofssitz. In einer Kirche werden später über hundert Leichen gefunden.

404. Konstantinopel

Auch in der Hauptstadt führt der Streit um kirchliche Ämter zu Straßenkämpfen. Die Auseinanderssetzungen werden um so heftiger, je mehr staatliche Macht mit diesen Ämtern verbunden ist. Die Hagia Sophia und andere öffentliche Gebäude werden angezündet.

412. Nordafrika.

Die Sekte der Donatisten wird verfolgt, ihre Kirchen angezündet oder beschlagnahmt. Da den Abweichlern so nicht beizukommen ist, werden reguläre Truppen gegen sie eingesetzt. Für die christlichen römischen Soldaten gilt das
fünfte Gebot im Feld nicht mehr. Der nordafrikanische Bischof Augustinus (der spätere Heilige) entwickelt die These vom gerechten Krieg. Von nun an gelten Kriege, die zur Verteidigung, zur Wahrung des Friedens und zur Rückeroberung römischer Gebiete dienen als gottgefällig. Allerdings legt Augustinus fest, dass die Kriegsführung eine Sache der Fürsten sei.

1053. Civitate (Italien)

Papst Leo IX. führt seine Truppen gegen christliche Normannen, die Süditalien erobert hatten. Bei Civitate kommt es zur Schlacht. Der Papst hatte zum heiligen Krieg aufgerufen, aber das nützt nichts. Die Normannen schlagen das päpstliche Heer und der Papst gerät in Gefangenschaft.

1063. Spanien

Allen Kriegern, die in Spanien gegen die Muslims kämpfen, verspricht im Jahr 1063 Papst Alexander II. die Vergebung der Sünden. Die Kirche ist an den Erfolgen der Spanienkämpfer beteiligt. Der Papst erhebt Besitzansprüche auf die ehemaligen römischen Provinzen der iberischen Halbinsel.

1074. Rom

Papst Gregor VII. fasst den Plan, persönlich einen Feldzug gegen die Türken anzuführen. Der Investiturstreit verhindert die Ausführung.

1095. Clermont.

Papst Urban II. ruft im Jahr 1095 den ersten Kreuzzug aus. Ein Legat der Kirche wird zum Anführer ernannt. Ein Gottesfriede wird erlassen, innerchristlicher Krieg ist nur von Montag bis Mittwoch erlaubt.

CHRISTLICHER FRIEDEN

990. Le Puy (Frankreich).

Ein Konzil befaßt sich mit dem Treiben der kriegerischen Feudalherren. Der Bischof von Le Puy erklärt, ohne Frieden käme niemand zu Gott und fordert die Streitsüchtigen auf, Söhne des Friedens zu werden.

1016. Verdun sur le Doubs (Frankreich).

Ein Konzil verbietet den Feudalherren, Bauern und Kleriker zum Kriegsdienst zu zwingen. Die räuberische Aneignung von Ernte und Vieh wird mit Strafe bedroht. Die Bischöfe skandieren begeistert: Frieden, Frieden, Frieden. Die Begeisterung teilt sich den Feudalherren nicht mit.

1031. Bourges

Der Bischof von Bourges hält ein Friedenskonzil. Er verpflichtet jeden Mann,
der älter ist als fünfzehn Jahre, die Waffen gegen Friedensbrecher zu ergreifen. Bürger und Bauern ziehen gegen Friedensbrecher ins Feld, Kleriker führen sie an.

1038. Bengy
Die Friedensmiliz greift den Ort Bengy an, brandschatzt ihn und richtet ein Blutbad an.

1038. Chateauneuf sur Cher.

Die weltlichen Herren fühlen sich durch diese Manifestation der Friedenssehnsucht bedroht und schlagen zurück. Unter Führung des Grafen Eudes de Déols greifen Berufssoldaten die Friedensmiliz bei Chateauneuf an. Die schlecht bewaffneten Bauern und Kleriker haben keine Chance. Sie werden niedergemetzelt. Allein sechshundert Kirchenmänner sollen den Tod gefunden haben.

1054. Narbonne

Ein Konzil erneuert den Erlaß über den Gottesfrieden. Wer von Freitag bis Sonntag oder an Feiertagen Krieg führt, muß mit der Exkommunikation rechnen. Diese Strafe droht auch allen, die Arme ausplündern oder sich am Besitz der Kirche bereichern.

1095. Clermont.

Das Konzil bestätigt den Erlass über den Gottesfrieden. Klerikern wird das Tragen von Waffen verboten.

1145. Rom
Die Senatspartei verlangt von Papst Lucius die Herausgabe aller weltlichen Besitzungen. An der Spitze eines eigenen Heeres setzt sich der Papst zur Wehr. Er unterliegt und stirbt kurz darauf an den Folgen eines Steinwurfs.

1142. Vitry en Perthois (Frankreich)

Eine Armee unter dem französchen König Ludwig VII. dringt in die Stadt Vitry ein und bringt mehr als 1000 ihrer Bewohner um. Der König führt Krieg gegen Thibaud, den Grafen der Champagne. Thibaud war mit König Ludwig wegen der Besetzung des bischöflichen Stuhles von Bourges aneinandergeraten. Der Papst hatte den König in dieser Sache ohne Erfolg exkommuniziert. Weiterhin wehrt sich Graf Thibaud gegen die vom Hof erwünschte Ehescheidung seiner Cousine. Wutentbrannt zieht König Ludwig gegen den Grafen in den Krieg, verwüstet die Champagne und belagert die Stadt Vitry. Nach heftigen Kämpfen dringen die Truppen des Königs in die Stadt ein. Sie lassen jeden über die Klinge springen, den sie antreffen und legen Feuer. Frauen, Kinder und Ältere fliehen in die Kirche. Der König soll ihr Flehen um Gnade gehört haben. Es ist vergeblich. Sie werden alle umgebracht. Das Massaker in der Kirche konnte in Frankreich nur einer bestrafen oder vergeben: Bernhard von Clairvaux, der Herr über eine mächtige Klosterorganisation und Berater des Papstes. Aber schlechte Nachrichten aus dem Nahen Osten verhindern eine Verurteilung wegen des Bruchs des Gottesfriedens. Der Kreuzfahrerstaat Edessa ist von türkischen Streitkräften erobert worden. Bernhards Deal mit dem König: Keine Kirchenstrafe, dafür die eidliche Versicherung, einen Feldzug in den Nahen Osten zu unternehmen. In den Predigten des Abtes wird aus dem friedliebenden Wanderprediger der Bergpredigt der oberste Kriegsherr der Christenheit, dem es nach dem Blut der Muslims dürstet. Er nennt sie Heiden, obwohl er wusste, dass sie dem selben Gott huldigten, dem Gott Abrahams. Also sprach der später heiliggesprochene Abt:

Im Tod des Heiden sucht der Christ seinen Ruhm, weil Christus verherrlicht wird.

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Die Kolonien bis 1143
Zweiter Kreuzzug