Erster Kreuzzug

Die Vorgeschichte, Augenzeugen, Chronisten


Aus Peter Milger: Die Kreuzzüge - Krieg im Namen Gottes
PROLOG

Um das Jahr 30, an einem Sonntag, so die Evangelisten, zieht Jesus Christus in Jerusalem ein. Matthäus betont die Friedfertigkeit des Vorgangs:

"Dies aber geschah, damit das Wort des Propheten erfüllet werde, der da spricht: Jerusalem, siehe dein König kommt zu dir sanftmütig geritten, auf einer Eselin..."

Ungefähr tausend Jahre nach der Niederschrift: Ein Papst erklärt den gleichen Jesus Christus zum Anführer christlicher Heerscharen, die den Weg nach Jerusalem mit dem Schwert freikämpfen sollen. Die Christenheit führt Krieg, im Namen des Friedensfürsten.
Die Al-aqsa-Moschee in Jerusalem - eine der heiligsten Stätten des Islam
"Kreuzzritter" machen in derselben Muslime nieder
Hauptseite Literatur & Quellen
BLUT IN STRÖMENDEN TRÄNEN

Im Sommer 1099 kommen einige Reisende aus Jerusalem in Bagdad an. Sie hatten eines der größten Massaker der Geschichte überlebt und waren sicher, ihre Nachrichten würden die muslimische Welt erschüttern. Die Muslime aus der auch ihnen „heiligen" Stadt sprechen am 19. August beim Kalifen vor. Sie haben die Eroberung Jerusalems durch christliche Kreuzritter beobachtet und berichten von einem Blutbad unter der Bevölkerung. Der junge, kunstsinnige Abassidenkalif ist berührt, aber machtlos. Der arabische Chronist Ibn al-Atir notiert:

"In der Kanzlei des Kalifen gaben sie einen Bericht, der alle zum Weinen brachte und die Herzen bewegte. Am Freitag erflehten sie in der großen Moschee das göttliche Erbarmen. Sie waren in Tränen, und die Zuhörer waren in Tränen, als sie das Unglück der Muslims schilderten. Die Männer getötet, die Frauen und Kinder gefangen, aller Habe beraubt..."

Und der Chronist zitiert einen arabischen Dichter:

"Wir haben Blut in die strömenden Tränen gemischt..."

Nachrichten zur Ausgangslage

LATEINISCHE OFFENSIVEN

1061. Sizilien.
Italienische Normannen, inzwischen Vasallen des Papstes, greifen die arabischen Muslime auf Sizilien an. Sechs Jahre später sind sie im Besitz der Insel. Razzien der Araber hatten in Italien erhebliche Schäden verursacht. Sogar Rom war 846 gebrandschatzt worden und Papst Leo hatte den Verteidigern der Kirche himmlische Belohnung zugesagt.

1064. Nordspanien. Truppen der christlichen spanischen Königreiche, unterstützt von französischen Rittern, erobern die Stadt Barbastro, die seit mehr als zweihundert Jahren von Muslims regiert wird. Papst Alexander II. sagt Rittern, die sich zum Kampf in Spanien entschlossen haben, den Erlaß der Bußstrafen zu. Das christlichwestgotische Spanien war Anfang des 8. Jahrhunderts unter muslimische Herrschaft geraten. Die Päpste betrachten Spanien inzwischen als ein Lehen des römischen Stuhls. Sie berufen sich auf die konstantinische Schenkung: Kaiser Konstantin soll im 4. Jahrhundert eine Urkunde ausgefertigt haben, nach der das römische Westreich fortan dem römischen Stuhl unterstellt war. Die größte Schenkung aller Zeiten wurde allerdings im 8. Jahrhundert in einer Fälscherwerkstatt vollzogen. Diese dubiose Urkunde begründete auch den päpstlichen Anspruch auf das vormals römische Spanien. Die von dem südfranzösischen Kloster Cluny ausgehende kirchliche Reformbewegung unterstützt folgerichtig die christlichen Königreiche bei ihrer Offensive gegen die spanischen Muslims. Der Kampf gegen UNGLÄUBIGE findet zunehmend den Beifall der Kirche. Die Umrisse eines HEILIGEN Krieges und eines CHRISTLICHEN Kriegertums zeichnen sich ab. Ritterweihe und kirchliche Waffensegnung ersetzen allmählich die altgermanischen Rituale.

1087. Mahdia (Tunesien). Seestreitkräfte der italienischen Städte Pisa und Genua landen in Nordafrika und plündern die muslimische Stadt Mahdia. Ein Teil der Seefahrer verbindet die Unternehmung mit einer Wallfahrt nach Jerusalem.

BYZANZ IN DER KRISE

1071. Konstantinopel Byzanz (Ostrom) hat Süditalien an die Normannen verloren und Armenien an die Türken. Die Staatskasse ist leer und Konstantinopel wird von politischen Krisen geschüttelt. Trotzdem entschließt sich Kaiser Romanos zur Rückeroberung Armeniens.

August 1071. Manzikert, Kleinasien.Romanos führt das Heer des byzantinischen Reichs gegen die Türken unter dem Seldschukensultan Alp Arslan. Die Truppen des Kaisers sind schlecht ausgebildet und unzuverlässig. Die Türken in byzantinischem Sold laufen über, bevor es zur Schlacht kommt. Während der Kämpfe ziehen sich die fränkischen und normannischen Söldner des Kaisers zurück. Die übrigen byzantinischen Kontingente werden von den Türken aufgerieben und Kaiser Romanos gerät in Gefangenschaft. Fortgesetzte Wirren in Konstantinopel verhindern eine ausreichende militärische Präsenz der Byzantiner in Kleinasien. Nomadische Turkmenen vertreiben allmählich die christlichen Bauern, die auf dem Land leben. Die Garnisonen der meisten byzantinischen Städte bestehen aus türkischen Söldnern. Diese quittieren den Byzantinern den Dienst und überlassen die Städte seldschukischen Sultanen. So kann Suleiman 1078 Nikaia zur Hauptstadt seines Sultanats machen rund hundert Kilometer von Konstantinopel entfernt. Die Christen in Kleinasien werden Untertanen der türkischen Sultane , zahlen eine Sondersteuer und können ihre Religion ausüben. Die türkische Landnahme vollzieht sich ohne Plan und war spätestens 1085 mit der Besetzung Antiochias abgeschlossen, also rund zehn Jahre vor dem Konzil in Clermont. Die in der Kreuzzugspropaganda geschilderten Gräueltaten haben die mitreisenden Chronisten des Feldzuges nicht bestätigt. Die Wallfahrt nach Jerusalem durch Kleinasien war aber zweifellos erschwert.

1071. Bari, Süditalien. Die letzte Bastion des byzantinischen Reichs in Italien fällt an die Normannen. Die Eroberer sind Christen und seit etwa zwanzig Jahren Vasallen des römischen Papstes. Der byzantinische Kaiser Romanos erfährt während seines Feldzuges gegen die Türken, dass Byzanz nun auch Bari verloren hat.

MUSLIME GEGEN MUSLIME

1071. Jerusalem. Der türkische Truppenführer Atsiz besetzt kampflos Jerusalem. Die Stadt befand sich seit rund hundert Jahren im Besitz der
schiitischen Kalifen in Kairo.

1071. Bagdad. Der sunnitische Kalif residiert in Bagdad, aber die Türken sehen in ihm nur ihren geistigen Oberherren. Die Sultane haben die arabische Oberschicht aus der Macht gedrängt. Die seldschukischen Türken und die fatimidischen Herren Ägyptens rivalisieren um die Macht in Palästina und betrachten sich gegenseitig als Ketzer.

076 Jerusalem. Es kommt zu heftigen Kämpfen um den Besitz der Stadt. Die Türken behalten die Oberhand und richten unter den schiitischen Muslims ein Blutbad an. Im christlichen Viertel Jerusalems bleibt es offenbar ruhig. Die Grabeskirche ist den Pilgern auch unter türkischer Herrschaft weiter zugänglich. Die Wirren behindern aber die Wallfahrt. Die konnten sich nur höherrangige Kleriker und Adlige leisten. Zu den Reisekosten kamen Abgaben in Jerusalem. An den Stadttoren kassierten die Wächter im Dienste des Sultans, in der Grabeskirche Kleriker oströmischen Kirche. Trotzdem machten die Pilger oft Gewinne. Auf einem Markt in Jerusalem wurden günstige namhafte Reliquien angeboten - Gebeine der Apostel, Kreuzpartikel, Nägel, Dornen, Blut und Haare des Herrn, aareHaareHHMilch der heiligen Jungfrau und dergleichen mehr angeboten. In der Heimat waren Kirchen und Klöster bereit, sehr viel Geld dafür auszugeben.

DER OST-WEST-KONFLIKT
1054. Konstantinopel. Legaten des römischen Stuhls hinterlegen auf dem Altar der Sophienkirche (Hagia Sophia) eine Bulle, in der der Patriarch von Konstantinopel exkommuniziert wird. Der aktuelle Konflikt war durch die Schließung einiger lateinischer Kirchen auf byzantinischem Gebiet entstanden. Im Gegenzug verurteilt der Patriarch Einfügungen des römischen Stuhls in das Glaubensbekenntnis und die Verfolgung verheirateter Kleriker in der Westkirche. Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob beim Abendmahl gesäuertes oder ungesäuertes Brot verwendet werden müsse. Die liturgischen und theologischen Differenzen sind nicht unüberbrückbar, aber sie sind Ausdruck eines tiefer gehenden Konflikts. Die ersten christlich­römischen Kaiser hatten sich als geistige und weltliche Oberherren einer einigen Christenheit verstanden. Inzwischen erheben drei Anwärter den Anspruch auf die Nachfolge: Der Kaiser in Konstantinopel, der weströmische Kaiser und der Papst in Rom. Im byzantinischen Reich war der Kaiser noch immer Oberhaupt von Kirche und Staat. Im Westen ist die Frage des Primats ungeklärt und wird bald zu einem regelrechten Krieg zwischen Papst und Kaiser führen.
1073. Rom. Kardinal Hildebrand, eifriger Verfechter der Kirchenreform, wird zum Papst gewählt und heißt nun Gregor VII. Er sieht den römischen Papst über Völker und Reiche gesetzt, als oberster Hirte und Herr der Christenheit, in der Nachfolge der christlich-römischen Kaiser. Diese Vorstellung vom Papsttum wird der Maßstab seiner Politik. Gregor entwickelt sofort eine beträchtliche Dynamik. Er verbessert die Beziehungen zu Kaiser Michael in Konstantinopel und entwirft den Plan für einen Feldzug gegen die Türken in Kleinasien unter seiner Führung. Nachdem er so seine Rolle als Hüter der Christenheit demonstriert hat, soll auf einem Konzil in Konstantinopel der Streit zwischen griechischen und lateinischen Christen beigelegt werden. Diese Einigung würde natürlich das Primat des römischen Stuhls festschreiben. Dass Kaiser Michael diesen Plan gebilligt hätte, ist wenig wahrscheinlich. Ob er überhaupt zu seiner Kenntnis kam, ist unbekannt. Gregor muß ohnehin wegen Verwicklungen im Westen von seinem Vorhaben absehen. Seine Politik führt folgerichtig zur Kollision mit dem anderen Mitbewerber: Dem deutschen König.
LATEINER GEGEN LATEINER
1075. Oberitalien. König Heinrich IV. setzt in oberitalienischen Städten Bischöfe ein. Papst Gregor protestiert, exkommuniziert einige Gefolgsleute des Königs und bedroht Heinrich mit dem Kirchenbann.
Januar 1076. Worms. Eine von Heinrich IV. einberufene Reichsversammlung setzt Papst Gregor VII. ab. Die deutschen Könige sehen sich von Gott selbst eingesetzt und leiten daraus ihr Recht zur Investitur ab. Wenn sie die Bischöfe in Deutschland und Oberitalien nicht mehr bestimmen können, verlieren sie ihren Einfluß auf große Teile des Reiches. Allerdings verliert der Papst dadurch seinen Einfluß auf weite Teile der Kirche. Der Investiturstreit wird für beide Parteien zur Existenzfrage.
Januar 1076. Rom. Der Papst setzt den König ab, löst alle Christen von dem ihm geleisteten Eid und verbannt ihn aus der Kirche.
Januar 1077. Canossa. Der zum ersten Mal gegen einen König verhängte Kirchenbann wirkt. Deutsche Fürsten zwingen Heinrich zum Nachgeben. Nach einer dreitägigen Buße in Canossa löst der Papst den Bann. Der Konflikt ist damit nicht ausgetragen. Drei Jahre später wird Heinrich erneut gebannt. Der König kontert mit der Erhebung Wiberts von Ravenna zum Papst (Clemens III.)
VASALLEN DES PAPSTES FALLEN OSTROM IN DEN RÜCKEN
April 1081. Konstantinopel. Alexios Comnenos erhebt sich zum byzantinischen Kaiser. Auch er hat ehrgeizige Pläne, zu denen die Rückeroberung Kleinasiens gehört. Papst Gregor exkommuniziert Alexios, weil er ihn für einen Usurpator hält.
Sommer 1081. Dyrrhachium. (Durazzo, Albanien).
Die süditalienischen Normannen, geführt von Robert Guiskard und seinem Sohn Bohemund überqueren die Adria und greifen das byzantinische Reich an. Alexios versucht Kaiser Heinrich IV. und Venedig als Bundesgenossen zu gewinnen. Die Garnison der Stadt Dyrrhachium leistet Widerstand und eine venezianische Flotte greift erfolgreich auf der Seite der Byzantiner ein und erringt die Seeherrschaft. Im Oktober führt Kaiser Alexios ein Entsatzheer heran. Aber seine Elitetruppe, angelsächsische Söldner (Waränger), unterliegt den Normannen. Papst Gregor gratuliert Robert zu seinem Sieg und erinnert ihn an seine Verpflichtung, ihm gegen Kaiser Heinrich beizustehen. Der Krieg in Albanien und Griechenland zieht sich bis zum Jahr 1085 hin. Mehrfach steht das Schicksal des byzantinischen Reiches auf des Messers Schneide. Erst als Guiskard stirbt, ziehen sich die Normannen zurück. Sie sind Vasallen des römischen Stuhls, der Angriff auf Byzanz war mit der Billigung Papst Gregors erfolgt. Die Türken in Kleinasien sind die Nutznießer der christlichen Angriffe auf Byzanz.

KRIEG ZWISCHEN KÖNIG UND PAPST
1084. Rom. Ein Heer unter Kaiser Heinrich IV. rückt in die Stadt ein. Papst Gregor VII. ist in der Engelsburg eingeschlossen. In dieser Situation ruft der Papst die mit ihm verbündeten Normannen zur Hilfe, die gerade gegen Byzanz Krieg führen. Robert Guiskard eilt mit seinen Vasallen und arabischen Söldnern nach Rom und befreit den Papst. Die Truppen Guiskards morden und plündern in der Stadt, schänden Frauen und zünden Kirchen an. Dadurch ist der Papst bei den Bürgern Roms so diskreditiert, dass er die Stadt verlassen muss. Gregor VII. stirbt ein Jahr später im Exil in Salerno.
März 1088. Terracina (Italien). Odo von Lagery, vormals Prior im Kloster Cluny, nun Kardinal-Bischof von Ostia, langjähriger Legat und Wegbegleiter Gregors, wird Papst. Er hat die gleichen Ziele wie sein Mentor, wird sie aber geschmeidiger verfolgen. Er tritt als Urban II. ein schwieriges Erbe an. In Rom kann er nicht residieren, dort hat im Moment der andere Papst die Oberhand. Vier Jahre vorher hatte sich Heinrich von Clemens III. zum Kaiser krönen lassen. Vorerst kann sich Urban II. nur auf normannischen Territorien bewegen. Urban hebt den Bann gegen Heinrich nicht auf und beginnt eine diplomatische und propagandistische Gegenoffensive. Seine Anhänger versenden Zirkulare, in denen Heinrich und seine Partei als Häretiker und Schismatiker bezeichnet werden, der ärgste Vorwurf, den die Kirche erheben kann. Urban unterstützt behutsam die deutsche Opposition gegen den Kaiser.
1089. Konzil in Melfi. (Italien). Papst Urban II. hebt den Bann gegen den byzantinischen Kaiser Alexios auf, der folgerichtig die Partei Heinrich IV. ergriffen hatte. Die Beziehungen zwischen Papst und Byzanz verbessern sich auf der diplomatischen Ebene. Kirchenpolitisch bleiben die Standpunkte unversöhnlich.
1094. Rom. Papst Urban zieht im Lateran ein. Eine Revolte, angeführt von Heinrichs Sohn Konrad und von Urban gefördert, hatte die Position des Kaisers geschwächt. Aber noch sind Kaiser Heinrich und Papst Clemens nicht besiegt.
März 1095. Piacenza. (Oberitalien). Urban II. leitet das erste überregionale Konzil seines Pontifikats. Die brennenden Fragen der Kirche stehen auf der Tagesordnung: Die Geldgier und Unkeuschheit vieler Kleriker, der An- und Verkauf von Kirchenämtern, die Aktivitäten des Gegenpapstes und der Krieg mit dem Kaiser. Angesichts so großer Sorgen und Bedrohungen fehlt es augenscheinlich an einer großen Idee. In Piacenza nimmt er Formen an: Der Plan für einen Feldzug unter Führung der Kirche in den Nahen Osten.
Die zeitgenössichen Autoren

Drei Chroniken sind überliefert, die von Teilnehmern am Feldzug der Feudalherren nach Palästina verfasst wurden.

Der Autor der GESTA FRANCORUM
Er beschreibt seine Teilnahme an Kämpfen, nennt aber seinen Namen nicht. Latein hat er sicher als Kleriker gelernt, wechselte dann aber offensichtlich zum Kriegshandwerk über. Er steht dem normannischen Anführer Bohemund nahe. Der Anonymus beendete die Niederschrift der Chronik um 1100. Ein Chronist namens Peter Tudebode hat überwiegend die Gesta Francorum abgeschrieben - oder umgekehrt der Anonymus bei Tudebode? Tudebode behauptet, Augenzeuge zu sein und bringt auch einige Nachrichten exklusiv.

RAIMUND VON AGUILERS
Kleriker aus Frankreich, steht dem Anführer der Südfranzosen, Raimund von Toulouse, nahe. Er hat die Niederschrift um 1100 beendet.

FULCHER VON CHARTRES
Ebenfalls Kleriker aus Frankreich, politisch weit besser informiert als seine Kollegen, steht der Reformpolitik von Papst Urban II. nahe. Beginnt mit der Niederschrift um 1101.

Die folgenden zeitgenössischen Chronisten haben an keiner Kreuzfahrt teilgenommen, aber Berichte von Augenzeugen benutzt.

ALBERT VON AACHEN
Der Kleriker bedauert, an der Teilnahme verhindert worden zu sein. Er stammt aus der Umgebung von Aachen, also dem Reich. Er benutzt die GESTA FRANCORUM, mündliche Berichte von Teilnehmern und verschollene schriftliche Augenzeugenberichte. Dazu gehört auch eine Chronik, die ein Begleiter des Herzogs Gottfried von Bouillon geschrieben haben dürfte. Der Herzog war Gefolgsmann des Kaisers und Albert hebt seine Rolle hervor. Über den Vorkreuzzug der Armen macht allein Albert von Aachen detaillierte Mitteilungen. Er beginnt mit der Arbeit an seiner Kompilation um 1101.

ROBERT DER MÖNCH
Kleriker aus der Gegend um Reims in Frankreich. Er erhält um 1106 von seinem Abt den Auftrag, die GESTA zu ergänzen, weil der Aufruf in Clermont zu kurz gekommen sei. Die Chronisten, die sich wie Robert erst um 1106 ans Werk machen, unterstreichen die Rolle der Kirche. Das gilt auch für die französischen Kleriker:

GUIBERT VON NOGENT und BALDRICH VON DOL, die ihre Kompilationen in den folgenden Jahren anfertigen.

Aus byzantinischer Sicht liegt der Bericht einer sehr gebildeten Frau vor, die in ihrer Jugend den Durchzug der Kreuzheere in Konstantinopel erlebte.

ANNA COMNENA

Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios, zuletzt genannt, weil sie erst nach den Herren, um 1118, mit der Niederschrift ihrer Chronik beginnt.

Über den ersten Kreuzzug ist kein Augenzeugenbericht aus muslimischer Sicht überliefert. Hier liegen nur Kompilationen vor, etwa von dem arabischen Chronisten Ibn al-Atir