Ertrunken oder Herzschlag ? Kaiser Barbarrossa stirbt in Kleinasien HAUPTSEITE
Der Kreuzzug des Kaisers Friedrich I, genannt Barbarossa

Glanzvoller Aufbruch - Feindselig gegen Byzanz - Tot im Saleph - Auflösung des Heeres - Saladin erleichtert - Deutscher Orden gegründet

HOFTAG CHRISTI

1187. Die Truppen Saladins besiegen bei Hattin das Heer des Kreuzfahrerstaates und nehmen Jerusalem ein. Am 27. März 1188, acht Monate nach der Schlacht, finden sich in Mainz fast alle deutschen geistlichen und weltlichen Fürsten von Rang mit ihren Vasallen ein. Die hohen Herren sind durch die Nachrichten aus Palästina beunruhigt. Kaiser Friedrich I. nennt die Versammlung Hoftag Christi. Ein Legat des Papstes fordert auf, im Namen Gottes in den Heidenkampf zu ziehen. Die Versammelten sind dazu bereit. Neben religiösen Motiven spielen politische Erwägungen eine Rolle. Saladins Machtzuwachs wird als Bedrohung empfunden. Der Staufer Friedrich Barbarossa ist über sechzig Jahre alt, aber er nimmt die Herausforderung an. Der Kaiser versteht sich als der von Gott eingesetzte Beschützer der Christenheit. Die Rückeroberung Jerusalems würde diese Rolle unter Beweis stellen. Einige Chronisten zitieren Briefe, nach denen Friedrich ein großmäuliges Ultimatum an Saladin gerichtet habe. Seinem Selbstverständnis hätte dies durchaus entsprochen. Aber die Briefe dienten wahrscheinlich nur der Ausschmückung der Berichte über den Kreuzzug Friedrichs
.
ABRUNDUNG DES LEBENSWERKES

Zwei große Ziele hatte Kaiser Friedrich vor allem mit der Reichsidee verbunden: Die vollständige Unterwerfung der reichen oberitalienischen Kommunen und die Wahrung der königlichen Rechte gegenüber dem römischen Stuhl bei der Investitur der Bischöfe. Zur Durchsetzung beider Ziele hatte der Kaiser ein erhebliches Ausmaß von Gewalt angewandt. Die Zerstörung von Mailand und Crema hatte seinem Ruf geschadet, aber die Kommunen Oberitaliens nicht zur Unterwerfung bewogen. Die Einsetzung eines eigenen Papstes hatte sich als untaugliches Mittel erwiesen. In der Schlacht von Legnano im Mai 1176 entging der Kaiser nur knapp einer Niederlage gegen die Städte. Am Ende der Kriege in Oberitalien steht ein Kompromiss Der Kaiser behält die Oberhoheit, räumt aber weitgehend das Recht zur Selbstverwaltung ein. Auch in den Kriegen gegen die Koalitionen des Papstes blieb Friedrich glücklos. Nach einem Sieg Venedigs über die kaiserliche Flotte unterwirft sich Friedrich im Juli 1177 auf dem Markusplatz Papst Alexander III. In der Sache waren sich Papst und Kaiser entgegengekommen. Gegen seinen innenpolitischen Gegner, Heinrich den Löwen, kann sich Friedrich im Jahr 1180 durchsetzen.

EIN TAGHELLES FEST

Die Konsolidierung des Reichs ließ der Kaiser an Pfingsten 1184 auf den Wiesen vor Mainz feiern. Zehntausende kamen aus ganz Europa. Die zeitgenössischen Chronisten haben den Hoftag als das größte aller Feste in deutschen Landen in den hellsten Farben beschrieben. Gelage und Turniere zeugten von der Sinnenfreude der höfischen Gesellschaft. Sänger und Spielleute unterhielten die hohen Herren und Bürger. Das Fest war teuer, aber der Kaiser war gut bei Kasse. Friedrich hatte nicht nur das Reich vergrößert, sondern auch seinen Reichtum. Verlorenes Königsgut gewann er zurück, förderte Handel und Gewerbe und gründete Städte. In den neuen Burgen und Pfalzen setzte er Beamte ein, und keine lehnsrechtlichen Gefolgsleute. Er nutzte das Neue, auch wenn es ihm um die Wiederherstellung des alten Kaisertums ging. Zu dem Neuen gehört auch die höfische Dichtkunst, die sich vom Latein und der Kirche gelöst hat. Heldenepos und Minnesang formulieren einen ritterlichen Ehrenkodex: Nur der Kampf für höhere Ziele gilt den Sängern und Poeten als tugendhaft. Die Kreuzzugsidee hat diese Entwicklung beeinflusst. Die Einholung des heiligen Grals und die Eroberung Jerusalems verschmelzen bald zu einem mythischen Endziel.

DER KAISER NIMMT DAS KREUZ

Als Friedrich im März 1188 den Hoftag in Mainz einberuft, steht er im Zenit seines Kaisertums. Aber es fehlte noch die letzte große und diesmal kompromißlose Tat. Saladins Triumph fordert ihn heraus und gibt ihm die Gelegenheit. Er ist bereit, einen Kreuzzug zu unternehmen. Der Kölner Chronist:

Der Kaiser stellte die Frage, ob er sofort das Kreuz nehmen solle oder erst später. Er wollte nämlich erst nach einem Jahr ausrücken. Da nun alle ihm zuriefen, er möge es nicht verschieben, empfing er das Kreuz von Bischof Gottfried von Würzburg unter dem äußersten Jubel, unter Lobsprüchen und Freudentränen. Vor ihm hatte sein Sohn, Herzog Friedrich von Schwaben, das Kreuz genommen.

Mit der Teilnahme am Kreuzzug war wie üblich die Vergebung von Sünden verbunden. Fast alle Anwesenden nehmen das Kreuz, darunter viele Bischöfe und Fürsten. Friedrich mag fromme Gründe gehabt haben, aber seine Kreuznahme ist auch politisch folgerichtig. Eine erneute Krönung in der wiedereroberten Grabeskirche würde seinem Herrschertum eine mythische Weihe verleihen. Niemand im Abendland hätte ihm danach den Kniefall verweigern können.

DIE VORBEREITUNGEN

Kaiser Friedrich entsendet Botschafter an den Kaiser in Konstantinopel und den Sultan von Ikonion (Konya), um den Heerzug durch den Balkan und durch Kleinasien anzukündigen. Durch Erlasse zur Wahrung des Landfriedens verhindert Friedrich die Verfolgung der Juden. Auf dem Reichstag in Nürnberg zu Anfang des Jahres 1189 nehmen die diplomatischen Vorbereitungen Gestalt an. Vor einer Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers, Isaak II., schwören deutsche Fürsten, das byzantinische Reichsgebiet friedlich zu durchqueren. Dafür versprechen die Byzantiner, das Kreuzheer zu unterstützen. Ein Gesandtschaft des Sultans von Ikonion, Kilidsch Arslan II., sichert die Förderung des Unternehmens in Kleinasien zu. Der Kölner Chronist beschreibt die weiteren Vorbereitungen:

Vor Weihnachten (1188) schrieb der Kaiser an die Herzöge, Grafen und sämtliche Fürsten im Reich, welche sich mit dem Kreuz bezeichnet hatten..., er werde am Tag des heiligen Georg (23. April) nach Regensburg kommen. Wer für Christus sei, möge sich zu diesem Zug gerüstet dort einfinden, um mit ihm gegen Saladin aufzubrechen. Von Weihnachten an bis Mitfasten bedeckten, gleich dem Sand am Meer und den Gestirnen am Himmel, unzählbare Scharen von Kreuzfahrern zu Fuß und zu Pferde alle königlichen Heerstraßen... Der Kaiser hielt einen glänzenden Hoftag in Regensburg... hier umgürtete er seine Lenden für die Pilgerschaft zur Ehre Gottes und übertrug die oberste Leitung des Staates an seinen Sohn, den König Heinrich. Sein Heer bestand aus dreißigtausend Mann, von denen fünfzehntausend erlesene Ritter waren.

Die Zahlen dürften, wie üblich, übertrieben sein. Wahrscheinlich war das Aufgebot nur halb so groß. Der Kaiser legt auf dem Reichstag in Regensburg den Abmarsch auf den 11. Mai fest. Die Heerschau enttäuscht den Kaiser: Einige Fürsten ziehen nun doch die Wahrung irdischer Interessen in der Heimat der Pilgerschaft vor. Der Kaiser sorgt sich um die Disziplin der Truppe. Nur waffenerprobte Teilnehmer sind zugelassen, und jeder muss genügend Geldmittel vorweisen, um sich für zwei Jahre versorgen zu können. Wer zuwiderhandelt, wird mit Strafe bedroht. Jeder Abteilung ist ein Richter zugeordnet, der über das Wohlverhalten der Mannschaften zu wachen hat. Am 11. Mai bricht das Heer von Regensburg auf. Der Kaiser und die Fürsten mit ihrem Hofstaat reisen zunächst zu Schiff. Das Hauptcorps benutzt die Straßen entlang der Donau. Es ist die gleiche Strecke, auf der die Burgunder im Nibelungenlied ihrem
Untergang entgegenziehen.

HEITERE TAGE

Am 15. Mai wird das Heerlager vor Passau aufgeschlagen. Der Dichter des Nibelungenliedes, der in dieser Zeit in der Passauer Gegend lebte, hat dem Schauspiel wahrscheinlich beigewohnt. Seine Schilderung der Ankunft der Burgunder in Passau klingt so, als sei sie von diesem Ereignis inspiriert worden:

Sie wurden wohl empfangen von Freunden auf den Wegen.
Zu Passau in die Stadt konnt' man sie nicht legen.
Sie mussten über's Wasser, da fanden sie ein Feld.
Da wurden aufgeschlagen beide: Hütten und Gezelt.

Größe und Pracht des kaiserlichen Aufgebots und des Burgunderheers der Dichtung ähneln sich verblüffend. Viele Aufenthaltsorte entlang der Donau sind identisch. Herzog Leopold V. von Österreich gibt nach der Ankunft der Kreuzfahrer am 22. Mai in Wien ein glanzvolles Fest. Der Kaiser entlässt schlecht ausgerüstete und mittellose Pilger. Ein Chronist, der das Heer begleitet hat, wird als sogenannter Ansbert bezeichnet, weil die Autorenschaft nicht geklärt ist. Er soll hier aber der Einfachheit halber Ansbert genannt werden. Ansbert notiert:

Von der Stadt Wien aufgebrochen, betrat er (der Kaiser) mit dem Heer des Herrn am 25. Mai ungarisches Gebiet. Auf freiem Feld... in der Nähe der Stadt Preßburg steckten sie ein Lager ab und blieben dort vier Tage. Der Herr Kaiser war nicht müßig, sondern traf bald Anordnungen über den Weg der Kreuzfahrer, bald untersuchte er Rechtsfälle streitender Parteien. Dazu gehörten auch zwei, die vor ihm im Duell die Entscheidung suchten. Damit keiner zu Tode kam, trennte er in frommer Sanftmut und Barmherzigkeit den Streit und versöhnte sie miteinander.

Am 4. Juni kommt das Heer in Gran (Esztergom), der Residenz des ungarischen Königs Bela III. an. Bela empfängt den deutschen Kaiser mit großer Herzlichkeit. Sie tauschen Geschenke aus und verbringen zwei Tage gemeinsam bei der Jagd an der Donau. Die Ungarn beliefern das Heer ausreichend mit Nahrungsmitteln. Die höfische Gesellschaft auf Reisen ist noch einmal in Festtagsstimmung. Im Nibelungenlied endet hier am Hof Etzels die Heerfahrt der Burgunder mit einem düsteren Gemetzel. Das Lied endet mit den Versen:

Ich kann euch nicht beschreiben, was weiter noch geschah,
doch Rittersleut und Frauen beweinen sah man da,
und auch viel edele Knechte, der lieben Freunde Tod.
Hier hat die Mär eine Ende, das ist der Nibelungen Not.


Das klingt so, als hätte der Dichter den Ausgang der kaiserlichen Heerfahrt vor Augen gehabt.

ENTEIGNUNG DER BAUERN

Ende Juni lagert das Heer vor Belgrad. Beim ersten Kreuzzug hatten Pilger die Stadt eingeäschert. Diesmal geht es disziplinierter zu. Zwei Adlige aus dem Elsaddd werden enthauptet, weil sie den Frieden gebrochen haben. Hinter Belgrad ist das Land nach Kriegen zwischen den Bulgaren und Byzanz ausgeplündert. Die ärmeren Kreuzfahrer beginnen zu hungern. Die Deutschen zwingen die Bauern, die Verstecke ihrer letzten Vorräte preiszugeben. Die Details werden von den Chronisten verschwiegen. Der Kölner Chronist sieht um so schärfer die eigene Unbill:

Sie kamen auf das Gebiet der Bulgaren, die ihnen mit angeborener Tücke einen unerwartet feindlichen Empfang bereiteten. Sie setzten den Unseren hart mit Pfeilen und Wurfspießen zu und wüteten mit unmenschlicher Grausamkeit. So durchzogen sie Bulgarien in großer Not und Gefahr. Einem gefangenen Bürger aus Aachen durchbohrten sie mit einem Pfahl die Eingeweide. Daher wurden fünf von ihnen, die man gefangen hatte, schmählich erhängt.

Am 24. Juli kommt das Heer in Nisch an. Die Stadt hat durch Kriege mit Byzanz Schaden genommen. Aber die Serben haben vorgesorgt und bieten auf dem Markt genügend Nahrungsmittel an. Auch Byzantiner hatten zugesagt, Lebensmittel für die Kreuzfahrer bereitzuhalten. Aber sie treffen in Sofia keinen Byzantiner an und schon gar keinen Markt. Erzürnt lässt der Kaiser das Heer nach Philippopel weitermarschieren.

KRIEGSÄHNLICHER ZUSTAND

Der byzantinische Chronist Niketas Choniates ist bei der Ankunft der Deutschen gerade Statthalter in Philippopel. Er notiert:

Es konnte kein Jahr vergehen, das nicht Unglück über den Staat gebracht hätte. Es schien, als ob Gott bestimmt hätte, dass unsere Tage nicht friedlich vergehen sollten. Als wären die kampflustigen Barbaren rings um uns her nicht schon Plage genug für uns, zog auch noch aus weiter Ferne ein Unglück ungestüm heran: Friedrich, König der Deutschen. Er schickte eine Gesandtschaft an Kaiser Isaak und bat ihn um die Erlaubnis, auf dem Zug nach Palästina mit seinem Heer durch byzantinisches Gebiet wie durch Freundesland ziehen zu dürfen. Er bat ferner, der Kaiser möge ihnen Lebensmittel zum Kauf bereitstellen und ihm seinen Entschluss durch eine Gegengesandtschaft mitteilen. Der Generalpostmeister Johannes Dukas wurde also zu Friedrich gesandt und erhielt die Versicherung, dass der König das byzantinische Gebiet ohne Kampf durchziehen und keiner Stadt, keinem Dorf, keiner Festung, keinem Bollwerk etwas zuleide tun werde. Dafür verpflichtete er sich dem König gegenüber, dass die Byzantiner ihm Lebensmittel und Futter für die Pferde in reicher Fülle bereitstellen würden, so dass sein Heer keinen Mangel leiden werde.

Niketas bezeichnet Friedrich als König, weil es für ihn nur einen Kaiser gibt, nämlich den byzantinischen. Der Chronist teilt weiter mit, Johannes Dukas und ein weiterer Beamter seien beauftragt worden, die Deutschen zu versorgen. Niketas fährt fort:

Durch ihre Verständnislosigkeit für das Erfordernis der Stunde sowie durch ihre Schlaffheit - die beiden Männer sind mir lieb und teuer, aber ich muss der Wahrheit, die mir noch lieber und teurer ist, die Ehre geben erbitterten sie den König gegen die Byzantiner und erregten bei Kaiser Isaak den Verdacht, Friedrich sei sein Feind. So wurden die Eide gebrochen, die Lebensmittellieferungen blieben aus und ich, der ich das hier schreibe, wurde in viele Unannehmlichkeiten verwickelt. Ich war nämlich zu dieser Zeit damit betraut, den Bezirk Philippopel zu verwalten und die Steuer zu erheben. Einmal kam vom Kaiser der Auftrag, die Stadtmauer auszubessern und einen Graben zu ziehen, was ich in dieser bedrängten und gefahrvollen Zeit auch sogleich durchführte. Kurz darauf wieder befahl mir ein kaiserliches Schreiben in scharfem Ton, die Mauern zu schleifen, damit sie dem König nicht als Unterschlupf dienen könnten. Der König unternahm nun Streifzüge, um sich zu holen, was er zum Leben brauchte. Kaiser Isaak ließ die Gesandten des Königs nicht zurückkehren.

Die Deutschen umgehen die von den Byzantinern errichteten Straßensperren und besetzen Philippopel.. Die meisten Byzantiner haben die Stadt verlassen, aber Armenier versorgen die Deutschen, so gut sie können. Kaiser Isaak beantwortet die Beschwerdebriefe Friedrichs mit Beleidigungen und tituliert den Kaiser mit König. Niketas Choniates erläutert die Motive Isaaks:

Das schrieb Isaak, weil ihn Schwindelpropheten zu der falschen Meinung verleiteten, der König habe nicht die Absicht, nach Palästina zu ziehen, sondern sein ganzes Streben richte sich nur auf die Kaiserstadt. Sie weissagten nämlich, der König werde ganz unbestreitbar durch das Xylokerkos-Tor in die Stadt einziehen und zuerst das Grauenvollste verüben, später aber nach dem gerechten Maß Gottes alles heimgezahlt bekommen. Von diesem Vorurteil besessen, ließ der Kaiser das Xylokerkos-Tor mit Ziegeln vermauern. Er trug auch oft selbst einen ganzen Arm voll frisch geschmiedeter Pfeile herum, die er, wie er sagte, schärfen wolle, um sie in die Herzen der Deutschen zu schießen... Mit diesem Gerede machte er sich aber nur lächerlich.

Da die Deutschen keine Märkte vorfinden, plündern sie weiter die Bauern in der Umgebung aus. Als das byzantinische Heer einschreitet, kommt es zu Gefechten und einer regelrechten
Schlacht. Der byzantinische Kaiser Isaak hat seine Politik geändert: Er hofft, das Kreuzheer aufhalten zu können. Die innerchristlichen Begegnungen enden aber regelmäßig mit einem Sieg der deutschen Ritter. Die Beziehungen zwischen den beiden Kaisern verschlechtern sich ständig. Als die Ritter ein Kloster ausrauben, greift Friedrich ein: Die kirchlichen Wertsachen werden zurückgegeben. Die erbeuteten Lebensmittel reichen für den Weitermarsch nicht aus. Die Unternehmung gerät ins Stocken, ihr Glanz beginnt zu verblassen. Niketas Choniates begibt sich nach Konstantinopel, um zwischen den beiden Kaisern zu vermitteln.

ISAAK UND SALADIN

Kaiser Isaak befindet sich in einer Zwickmühle. Saladin hatte die Grabeskirche in Jerusalem der byzantinischen Kirche unterstellt. Dafür hat Isaak die Eröffnung einer Moschee in Konstantinopel erlaubt. Saladin hat inzwischen vom Anmarsch der Deutschen erfahren und drängt Byzanz, ein weiteres Vordringen der Kreuzfahrer zu verhindern. Isaak hat das auch zugesagt, weil er Repressalien gegen den orthodoxen Klerus in Jerusalem befürchten muss. Aber die Deutschen sind in Moment bedrohlicher. Als Geste der Besänftigung lässt Isaak die deutschen Gesandten abziehen. Doch die Beziehungen bleiben gespannt.

WINTERKRIEG

Kaiser Friedrich verlegt einen Teil des Heeres nach Adrianopel und lässt das Winterquartier einrichten. Da nach wie vor keine Lebensmittel aus Konstantinopel eintreffen, lässt Friedrich nun auch die weitere Umgebung ausplündern. Die Deutschen verhalten sich wie im Krieg: Sie bringen Tausende von Griechen um. Am schlimmsten ergeht es den Bewohnern von Dimotika (Didymoteichon, Griechenland), die eigensinnig die Herausgabe ihrer Vorräte verweigern. Der Kölner Chronist:

Als sie sich weigerten, ließ der Herzog von Schwaben voller Zorn die Seinigen zu den Waffen greifen, unternahm in der neunten Stunde des Tages einen Sturm auf die Stadt und errang einen so schnellen Sieg, dass er gegen Abend nach der Eroberung der Stadt fast alle Einwohner getötet hatte... So groß war in der Stadt der Überfluß an Dingen, dass er dem Heer zehn Wochen zum Lebensunterhalt vollständig ausreichte. Viele Ritter jedoch schweiften weiter in Haufen umher und töteten alle, die sie fanden.

Nach Ansbert wurden in Dimotika Frauen und Kinder verschont:

Nachdem sie das Stadttor tapfer erbrochen hatten, eroberten sie die Stadt machtvoll am 24. November, und wenn auch ziemlich viele durch Geschosse verwundet worden sind, so starben dort
doch lediglich drei Ritter auf unserer Seite. Alle aber, auf die man in der Stadt stieß, außer den Kleinkindern und Frauen, wurden mit der Schärfe des Schwertes getötet; man zählte sie auf mehr als fünfzehnhundert.


FRIEDRICH BEDROHT KONSTANTINOPEL

Die Chronisten schildern mehrere rigorose Operationen der Deutschen während der Kreuzfahrt. Sie melden aber in keinem Fall die Anwesenheit des Kaisers, sondern betonen seine Ritterlichkeit und Vertragstreue. Als Kaiser Isaak auch im November nicht einlenkt, reift in Friedrich allerdings doch der Entschluss, Konstantinopel zu erobern. Der Kaiser weist die mit ihm verbündeten italienischen Städte an, den Angriff mit Kriegsschiffen zu unterstützen. Kaiser Isaak erkennt schnell die Gefahr und nimmt über Botschafter im Februar 1190 die Verhandlungen wieder auf. Der Vertrag wird vom Patriarchen von Konstantinopel unterzeichnet und in der Hagia Sophia öffentlich verlesen und fünfhundert byzantinische Bürger und Kleriker beschwören das Abkommen. Es regelt die Marschroute, die Anzahl der Transportschiffe, den Wechselkurs für Münzen, die Stellung von Geiseln und die Entschädigung für Inhaftierte. Friedrich hat sich auf der ganzen Linie durchgesetzt. Eine Delegation des Sultans Kilidsch Arslan, die sich seit ihrer Ankunft in Konstantinopel in Haft befand, wird nun entlassen. Der Sultan lässt ausrichten, die Deutschen könnten mit seiner Unterstützung rechnen. Schlechte Nachrichten für Saladin.

BESCHWERLICHER MARSCH

Anfang März bricht das deutsche Heer in Adrianopel auf. Der Vertrag zwischen den Deutschen und Byzanz regelt eine Marschroute, die auf dem kürzesten Weg nach Kleinasien führt und Konstantinopel vermeidet. Bei schlechtem Wetter brauchen die Deutschen zwei Wochen, um die Dardanellen zu erreichen. Der Regen hat die Wege aufgeweicht und die schweren Karren bleiben stecken. Proviant, Waffen und Zelte werden auf Lasttiere verladen. Am 21. März erreichen die Kreuzfahrer die Dardanellen bei der Hafenstadt Gallipoli (Gelibolu).

DIE ÜBERFAHRT

Trotz des schlechten Wetters beginnt die byzantinische Flotte sogleich mit dem Transport des Kreuzheeres. Niketas Choniates:

Hierauf wurde eine große Zahl von Pferdefähren nach Gallipoli gebracht. Denn man war auch übereingekommen, dass der König mit seinem gesamten Heer in bloß zwei Überfahrten übergesetzt werden solle. Der König fürchtete nämlich, wenn sein Heer in kleineren Gruppen übergesetzt würde, könnten die Byzantiner vertragsbrüchig werden und die jeweils kleinen Abteilungen überfallen. So kam er in nicht mehr als vier Tagen an das östliche Ufer.

Regen und Wind behindern die Verladung und zwingen einige Schiffe aus Venedig, bei Gallipoli zu ankern. Die Venezianer hatten Lebensmittel für den Markt in Konstantinopel geladen. Nun bestimmen die Kreuzfahrer die Preise und kaufen die Ladung auf. Während der Kaiser auf dem europäischen Ufer auf eine Besserung des Wetters wartet, findet sich eine Delegation aus Pisa ein und bietet ein Bündnis gegen Byzanz an. Friedrich lässt ausrichten, die Angelegenheit sei erledigt und er befände sich auf dem Weg nach Jerusalem.

VERARMUNG EINIGER PILGER

Friedrich hatte nach seinen Erfahrungen auf dem zweiten Kreuzzug eine rein militärische Operation geplant und die Unbewaffneten und Mittellosen wieder nach Hause geschickt. Unterwegs ist nun offenbar vielen Kreuzfahrern das Geld ausgegangen. Die Kölner Chronik vermerkt jedenfalls:

Am Gründonnerstag und weitere sieben Tage setzte der Herzog von Schwaben mit dem ganzen Heer über. Am achten Tag überzeugte sich der Kaiser, dass man alle armen Pilger hinübergebracht hatte, bevor er das Schiff betrat. Als er endlich mit dem königlichen Schiff hinübergefahren war und zu den Seinen ans Land gestiegen war, sprach er voller Freude in Christo und zur Ermunterung des Heeres: „Brüder habt Mut und Zuversicht. Das ganze Land ist in euren Händen."

Friedrich lässt die Geiseln frei und befiehlt einige Tage später den Aufbruch in das Innere Kleinasiens. Kaiser Isaak hat die Versorgung der Deutschen zugesichert und landeskundige Führer gestellt. Auf dem ersten größeren Markt in Pegai (Biga) können sich die Kreuzfahrer ausreichend versorgen. Unterwegs legen sich griechische Räuber leichtfertig mit den Kreuzfahrern an und werden zu Dutzenden erschlagen. Das Land, das vor ihnen liegt, ist durch die türkisch-byzantinischen Kriege verwüstet. Jeder ist verpflichtet, Proviant für sieben Tage mitzuführen. Die Pilger, denen inzwischen das Geld ausgegangen ist, sehen kargen Zeiten entgegen.

EHERNE STANDBILDER

Am 21. April lagert das Heer vor der byzantinischen Stadt Philadelphia (Alasehir). Es kommt zu Reibereien. Die Griechen sind erregt, weil die Deutschen auf den Feldern die Saat niedertrampeln, die Deutschen hadern wegen der sprunghaft angestiegenen Preise. Einige Einkäufer werden nach einem heftigen Wortwechsel verhaftet. Im Heer wird sofort der Ruf laut, die Stadt im Sturm zu nehmen, und eine Abteilung rückt gegen ein Stadttor vor. Der Kommandant eilt erschrocken in das Lager der Deutschen und verspricht Genugtuung. Der Kaiser lenkt ein und befiehlt, den Angriff einzustellen. Einige Griechen waren von den deutschen Bogenschützen schon von den Mauern geschossen worden. Als das Heer am nächsten Tag weiterzieht, kommt es zu einem Gefecht. Niketas Choniates:

Als der König (Friedrich)... von Philadelphia aufbrach, überfielen die verwegenen Bewohner dieser Stadt, die sich hervortun wollten, räuberisch einen Teil seines Heeres und reizten ihn damit zum Kampf. Es ging ihnen aber nicht nach Wunsch. Als sie erkannten, dass sie gleichsam an eherne Standbilder und unverwundbare Giganten geraten waren, schauten sie nur noch, dass sie davonkamen.

Ende April kommt das Herr in Laodikeia (bei Denizli) an, der letzten größeren Stadt auf byzantinischem Gebiet. Die Griechen sind hilfsbereit, aber der Markt ist wegen der Grenzkriege spärlich. Die Deutschen können sich nur unzureichend mit Proviant versorgen. Insgesamt hatte Byzanz den Marsch der Deutschen doch gefördert und damit das Abkommen mit Saladin gebrochen.

SALADIN IST GEWARNT

Im Lager findet sich eine türkische Delegation des Sultans Kilidsch Arslan ein, um dem Heer sicheres Geleit zu bestätigen. Saladin, der die Belagerer vor Akkon noch nicht vertreiben konnte, muss nun ernsthaft mit dem Kreuzheer rechnen. Imad ad-Din zitiert Briefe aus der Kanzlei Saladins:

Wo ist die Kraft der Muslims und wo der Eifer und die Hingebung der Gläubigen. Wir dürfen nicht überrascht sein von den Siegen der Ungläubigen und der Trägheit der Unseren. Niemand hört den Schrei um Hilfe. Seht auf die Freng, welchen Weg sie einschlagen, welche Opfer sie bringen, welche Hilfe sie erhalten, welches Geld sie verausgabt haben und welchen Beistand sie sich untereinander leisten. Kein König bleibt in ihrem Land und auf ihren Inseln zurück, ein jeder von ihren Großen und Mächtigen will für die Anhänger seines Glaubens eintreten... Bischöfe und Patriarchen kommen heraus mit ihren Kreuzen, die sie gegen das Unglück feien. Sie schreien, dass dieses Land ihnen gehöre und dass ihre Brüder in Jerusalem vom Islam ermordet worden seien. Sie sagen auch, dass es ein verdienstvolles Werk sei, Haus und Hof zu verlassen, um gegen den Islam zu ziehen. Und es bewirke die Vergebung der Sünden. Danach legten sie die Eisenrüstung an. Wer zu schwach ist, die Reise selbst zu machen, trägt nach Vermögen und Kraft dazu bei...

Ibn al-Atir bemerkt:

Der deutsche König zog heran; sein Volk, eine Art Franken, ist das stärkste und dem Mut nach das tapferste.

Saladins Kanzlei versendet mehrere Aufrufe zum heiligen Kampf. Der Sultan hofft, Kilidsch Arslan würde die Deutschen doch noch aufhalten.

ERSTE GEFECHTE

Da Gesandte Kilidsch Arslans sie nach Konya begleiten, erwarten die Kreuzfahrer dagegen eine Weitereise ohne Zwischenfälle. Die Hoffnung trügt. Das Heer marschiert durch wasserarme Gebiete, die nur von nomadisierenden Turkmenen besiedelt werden. Ihre Reitertrupps greifen die Deutschen an und beschießen sie mit Pfeilen. Der Kaiser glaubt, Kilidsch Arslan breche den Vertrag. Die Gesandten des türkischen Sultans versichern aber, die Turkmenen handelten auf eigene Faust. Verhindern können die Turkmenen den Vormarsch der Deutschen nicht. Es kommt zu Gefechten, in denen die Deutschen unentwegt siegen. In einem Brief berichtet ein anonymer Kreuzfahrer:

Wir zogen weiter und erlitten am 30. April durch Mangel an Wasser und Futter... einen unabsehbaren Verlust an Pferden... Bei uns waren die Gesandten des Sultans und seines Sohnes, die dem Herrn Kaiser große Geschenke gemacht und... sicheren Frieden zugesagt hatten. Trotzdem trafen wir auf eine große Menge Türken, die gegen uns in Schlachtordnung aufgestellt waren, um uns zu töten. Doch durch Gottes Gabe, mit ihm als Führer und Urheber und unter der Fahne des heiligen Kreuzes besiegten wir sie im Morgengrauen...

Kurz vor der Stadt Sozopolis (Uluborlu) kommt es wieder zu Gefechten. Der Autor des Briefes:

In dieser Gegend töteten wir bei einem engen Übergang... wieder eine große Menge Türken. Wir verspürten einen Mangel an Pferden, denn viele Pferde waren tot oder verwundet. Wegen der Kälte des Landes fanden wir kein Getreide und Gras... Da wir von den Gesandten des Sultans keinen Rat erhielten, bogen wir von der Heerstraße ab...

DER HERZOG VERLIERT EINEN ZAHN

Auf dem Weg zur anatolischen Hochebene muss das Heer ein hohes Gebirge überwinden. Der Kölner Chronist:

Als sie nun weiter vorrücken wollten, hatten die Türken... auf dem Weg nahe an den Bergen mit Steinen gefüllte Wagen aufgestellt und stürzten diese den Abhang hinab auf die Vorüberziehenden. Jedoch durch einen Wink Gottes... nahmen sie zwei Türken gefangen. Der eine wurde sofort getötet. Der andere versprach, ihr Führer zu sein, nachdem ihm Schonung zugesichert worden war. Er führte sie treulos über ein hohes Gebirge. Hier erlagen nicht nur viele Menschen sondern auch starke Pferde der Last des Gepäcks und der Hitze...

Der Autor des Briefes beschreibt ein Gefecht beim Abstieg aus dem Gebirge:

Das ständige Drängen der Türken mit Pfeilen, Schleudern und Steinen war so stark, dass unsere Leute voneinander getrennt wurden und sich in großer Not befanden. Der Herzog von Schwaben wurde verwundet. Ein oberer Zahn wurde völlig ausgeschlagen, und von einem unteren Zahn die Hälfte. Auch viele unserer Ritter wurden verwundet, aber nur einer getötet. Viele Saumtiere gingen zusammen mit viel Geld, Kleidern und Gefäßen verloren oder wurden getötet...

OHNE WISSEN DES KAISERS

Ansbert berichtet über die Verluste der Türken:

Dort fielen mehr als sechzig Mann von ihnen. Einige unserer Leute raubten auch Kamele, Schafe und Rinder in dieser Gebirgsregion. Am selben Tag kamen wir auf ebenes und bebautes Gebiet, wo ohne Wissen des Herrn Kaisers mehrere Türken mit ihren Frauen und Kindern niedergemetzelt worden sind.

Bei ihrem Weitermarsch auf der anatolischen Hochebene werden die Deutschen ständig angegriffen. Am 6. Mai fällt der Minnesänger Friedrich von Hausen bei der Verfolgung eines türkischen Reiters vom Pferd und bricht sich das Genick. Der Kölner Chronist:

Hierüber entstand im Lager eine so große Trauer, dass sich nach dem Ende der Schlacht das Kriegsgeschrei in laute Klage verwandelte.

VIELE TOTE

Einen Tag später lagert das Heer vor der Stadt Philomelion (Aksehir). Inzwischen haben sich mehrere lokale Machthaber gegen die Deutschen verbündet. Der Autor des Briefes:

Als die Türken gegen Abend unser Lager angriffen und schon aus einigen Quartieren Beute raubten, schlugen unsere Bewaffneten sie in die Flucht. Aus ihren Reihen fielen mehr als sechstausend Männer, darunter wurden dreihundertvierundsiebzig Edle aus der ganzen Türkei getötet. Von unseren Leuten kam niemand um, doch wurden viele Pferde getötet. Die Berge hallten wider vom Geschrei der Klagenden und nur die Nacht trennte uns voneinander. Doch begann bereits der Hunger unter uns die Oberhand zu gewinnen. Wein und Mehl waren ausgegangen, und mit anderen aß ich Pferdefleisch. Die Pferde kamen vor Hunger von Kräften, da wir weder Gras noch Saat fanden. Die Türken schnürten uns mit einem so großen Heer ein, dass niemand das Lager verlassen konnte. Wir aber töteten am Mittwoch vor Pfingsten (9. Mai) eine große Menge von ihnen.

In Philomelion finden die Deutschen weder Bewohner noch Lebensmittel vor. Die Stadt geht in Flammen auf.

WORTBRUCH

Der nächste größere Markt befindet sich mehrere Tagereisen entfernt in Ikonion (Konya). Dort residiert neben Sultan Kilidsch Arslan auch dessen Sohn Kutbeddin. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist gespannt. Der Sultan hatte den freien Durchzug zugesagt und Kutbeddin war offenbar damit einverstanden. Als sich das Kreuzheer aber nähert, ändert der jungen Sultan seine Haltung und setzt seine Truppen in Marsch. Die Kreuzfahrer müssen sich nun gegen zahlenmäßig überlegene Kräfte durchkämpfen. Während Hunger und Durst die Ritter schwächen, greift unablässig die leichte Kavallerie der Türken an. Der Chronist Ansbert:

Der Hunger war schlimmer als jeder Feind. Er ließ den Preis für Ochsen und Kühe auf fünf Mark, zuweilen sogar auf neun Mark anwachsen. Ein kleines Brot wurde für eine Mark verkauft... Gewisse Leute, wenn auch sehr wenige, gingen plötzlich zu den Feinden über, aus Verzweiflung und auch vom Teufel umgarnt. Sie ließen dabei vom Vorhaben der heiligen Fahrt ab und gedachten nicht mehr - oh welch ein Schmerz! - der christlichen Religion. Einige Fußsoldaten waren von den Mühsalen ebenso wie von Hunger und Krankheit so erschöpft.., dass sie dem Heer nicht mehr folgen konnten. Sie beteten öffentlich das Glaubensbekenntnis... und warfen sich in großer geistiger Standhaftigkeit nach Art des Kreuzes auf den Boden und erwarteten im Namen des Herrn den nahen Tod. Als wir noch nicht weit entfernt waren, wurden sie von den uns verfolgenden Feinden enthauptet und wurden so zu Märtyrern Christi.

HELDENGESÄNGE

Am 13. Mai melden Späher den Anmarsch einer großen türkischen Armee. Zum Pfingstfest hält der Bischof von Würzburg eine flammende Predigt. Nach dem anonymen Autor der Historia Peregrinorum beendet der Bischof seine Rede mit den Worten:

„Nach allen Übeln ist der Genuss der Wonnen um so süßer. Das Süße schmeckt dem besser, der vorher das Bittere gekostet hat. So wird das ersehnte Heil nach unseren Beschwerden alles verklären. Die Erinnerung daran wird euch vielleicht stärken." Nach dieser Rede ermunterte der überaus standhafte Kaiser alle und forderte sie zum Kampf auf. Sodann ließen sie nach alemannischer Sitte einen Kriegsgesang ertönen. Nach der Rückkehr zu den Zelten ließen sie sich an ärmlichen Tischen nieder und aßen kümmerlich, ohne satt zu werden.

Die meisten Kreuzfahrer begeben sich am nächsten Tag hungrig und zu Fuß in die Schlacht. Der Autor des Briefes:


Nach dem heiligen Pfingstfest trafen wir auf Melek (Kutbeddin), den Sohn des großen Sultans, auf ein Heer in Schlachtordnung sowie auf eine große Menge Türken, etwa vierzigtausend Reiter. Wie Heuschrecken erfüllten sie die Erde. Gegen sie erhoben wir im Namen Christi vorne die siegreichen Adler und spürten keinen Hunger mehr oder das Fehlen der Verwundeten; obgleich wir kaum sechshundert zu Pferd waren, besiegten wir sie unter dem Zeichen des lebenspendenden Kreuzes und schlugen sie in die Flucht. Melek, der Sohn des Sultans wurde vom Pferd gestürzt, seine vier liebsten Fürsten und viele andere wurden getötet. Etwas sehr Merkwürdiges ereignete sich. Wie schon früher hatte Ludwig von Helfenstein gesehen, wie der heilige Georg einigen unserer Schlachtreihen voranging und unserem Heer zur Hilfe kam. Das bekannte Ludwig bei der Heiligkeit seiner Pilgerschaft unter Eid vor dem Herrn Kaiser und dem Heer. Auch die Türken berichteten uns später, sie hätten einige Schlachtreihen mit weißen Gewändern auf weißen Pferden gesehen.

GEMETZEL IN IKONION

Am 17. Mai kommt das Heer vor Ikonion an. Im Gartenbezirk vor der Stadt finden die Kreuzfahrer genug Wasser, aber keine Lebensmittel. Allein die Vorräte in Ikonion können die Deutschen noch vor dem Verhungern bewahren. Daher befiehlt Friedrich den Angriff auf die Hauptstadt des Sultans. Der Kaiser will einen Teil der Truppen gegen das türkische Feldheer führen, während Friedrich von Schwaben mit dem anderen Teil die Stadt im Sturm nehmen soll. Ansbert berichtet, wie sich die Geistlichkeit auf die Schlacht vorbereitet:

Die Bischöfe und viele Priester umgaben ihre Nacken zum Zeichen ihres Amtes mit der Stola, um sich dem höchsten Priester als Schlachtopfer anzubieten, weil sie begehrten mit der Stola der Unsterblichkeit bekleidet zu werden. Sie sprachen mit dem Apostel: „Wir wollen vernichtet werden und mit Christus zusammensein."

Kurz vor dem Angriff entlassen die Türken einen deutschen Gesandten aus der Haft. Wahrscheinlich wollte Kilidsch Arslan die Abmachungen erneuern. Er erscheint mit einem kleinen Aufgebot vor einem Stadttor, als wollte er im letzten Moment das Schlimmste verhindern. Aber es ist zu spät. Die Deutschen haben sich schon in Marsch gesetzt und der alte Sultan zieht sich in die Zitatelle zurück. Ansbert:

Der... Herzog bezwang tapfer durch die Gnade Gottes mit seinen Truppen das erste Stadttor, das von einer Kriegerschar gehalten wurde... Er verfolgte alle, die er in der Stadt fand, bis zum Tor der stark befestigten Burg und durchbohrte sie mit seinem Schwert. Er nahm die Stadt und tötete ihre Einwohner. Nur die Schwäche der Ritter verhinderte die Eroberung der Burg. Die Ritter hatten nämlich fünfzehn Tage lang unter einer unglaublichen und unerhörten Hungersnot gelitten. Und während der oft genannte Herzog von Schwaben mit der Hilfe eines Engels des Herrn so in der Stadt triumphiert hatte, war der Heerhaufen des Kaisers außerhalb der Gärten der Stadt... von einer zahllosen Türkenschar umzingelt. Deren Stoßkraft war so stark, dass wir, die wir dort waren, den Tod unserem Nacken schon nahe sahen.

Der Autor des Briefes:

Der Herr Kaiser... kämpfte auf dem Feld gegen andere Türken, und obwohl diese ungefähr zweihunderttausend Reiter waren, besiegte er sie durch die Kraft des Allerhöchsten und schlug sie in die Flucht.

Der Kölner Chronist:

Der Herzog von Schwaben griff mit den ihm beigegebenen Leuten... sogleich die Stadt an und eroberte sie. Dabei tötete er ohne Erbarmen
alle, die ihm in den Weg traten. Unterdessen leistete der Kaiser den Türken, welche ihn im Rücken hinterlistig angriffen, erfolgreichen Widerstand und tötete sehr viele. Als der Sultan den Untergang und die Vernichtung der Seinen sah, bat er den Kaiser um Gnade und gelobte, ihm Geleit zu geben...


Der Autor des Briefes:

Ikonion... gleicht an Größe der Stadt Köln. Wir blieben von Freitag bis Montag und es wurde viel Beute gemacht. Dann gab der Sultan, der sich mit seinen Leuten in die innere Burg zurückgezogen hatte, aus Angst vor dem Tod zwanzig Geiseln nach unserer Wahl. Wir haben sie noch heute als Gefangene, weil er die versprochene Treue nicht hielt.

FRIEDLICHER WEITERMARSCH

Kilidsch Arslan öffnet den Markt, stellt Geiseln und garantiert eine sichere Weiterreise. Die Deutschen können ausreichend Lebensmittel, Futter, Pferde und Esel einkaufen. Nach einer Woche erfolgt der Aufbruch. Das Heer marschiert auf dem kürzesten Weg nach Süden, um die Küstenstädte zu erreichen. Die Turkmenen der Region stellen die Feindseligkeiten ein, als Friedrich die Tötung der Geiseln androht.

ZEICHEN DES UNHEILS

Der Autor des Briefes:

Am Freitag, dem 1. Juni... machten wir in Laranda (Karaman) Quartier. Zur Unzeit in der späten Nacht ereignete sich ein derartiges Erdbeben, dass wir dachten, die Schlachtreihen der Türken seien über uns hereingebrochen. Das war nach unserer Meinung ein Zeichen, dass sich mit unserem Herrn Kaiser etwas verändern würde. Eigentlich besteht kein Anlass zur Sorge. Sie nähern sich Gebieten, in denen sich armenische Christen behauptet haben. Ihr mächtigster Fürst, Leon II., unterhält gute Beziehungen zum römischen Stuhl und fühlt sich als Verbündeter des deutschen Kaisers. Am 7. Juni treffen armenische Adlige mit dem Kaiser zusammen und bieten ihm jede Unterstützung an. Sie dürften die Deutschen auf die Beschwerlichkeit des Abstiegs zum Meer hingewiesen haben. Er beginnt am 8. Juni. Es ist sehr heiß, einige ältere Bischöfe und Fürsten werden von ihren Knappen getragen. Immer wieder müssen die Ritter absitzen und ihren Pferden weiterhelfen. Das Heer löst sich in mehrere Abteilungen auf.

TOD IM SALEPH

Der Autor des Briefes:

Als wir weitermarschierten... zogen wir zum Saleph (Göksu). Dort stießen wir auf einen derartig rauhen und schwierigen Weg beim Übergang über die Berge, dass wir nur unter größtem Verlust der Habe am Sonntag... am Saleph gelangten. Der Herr Kaiser überschritt auf einer Abkürzung in den Tälern der Berge ein reißendes Wasser, das ihn heil an das andere Ufer ließ. Nach den unendlichen und unerträglichen Strapazen... hielt er ein Mahl. Als er dann in diesem Wasser baden wollte, und es zur Erfrischung durchschwamm, versank er bei einem beklagenswerten Unfall durch Gottes verborgenen Ratschluss.

Auch der Kölner Chronist berichtet, der Kaiser sei beim Baden umgekommen:

Der Kaiser war noch von der langen Anstrengung erhitzt und... stieg gegen den Willen aller in den Fluß, um sich abzukühlen. Und bald, auf Befehl dessen, der den Geist der Fürsten wegnimmt, fand er seinen Tod in den Fluten. Darüber müssen wir uns schmerzlich verwundern, weil dieser Fluss nicht sehr tief war. Die meisten bezeugten, man habe ihn auf einer Furt überschreiten können.

Ein anonymer englischer Autor, der Augenzeugenberichte benutzte, liefert in seiner Chronik Itinerarium Regis Ricardi eine abweichende Version:

Aus dem Wunsch heraus, den Marsch früher aufzunehmen, beschließt er, den nahegelegenen Fluß zu durchqueren... Oh Meer, Erde, Himmel. Jener stets erhabene Lenker des römischen Reiches, durch den der Ruhm des alten Rom wieder erblühte... ach, er ging in den Wassern zugrunde. Wenn auch von allen Seiten seine Vertrauten herbeieilten, so löschte doch der plötzliche Tod das Flämmchen des greisen Lebens aus.

Auch nach Ansbert ist der Kaiser bei der Flußüberquerung ertrunken. In seiner Version stirbt Friedrich als Tatmensch:

Der Kaiser wollte die ungewöhnliche Hitze lindern und den Gebirgskamm umgehen. Daher wollte er den reißenden Fluss... durchschwimmen. Der Weise sagt: „Du sollst nicht gegen den Strom schwimmen." Der Kaiser, in anderen Dingen so weise, war so unklug, sich mit der Kraft und der Strömung des Flusses zu messen. Obwohl jeder versuchte, ihn davon abzuhalten, ging er in das Wasser und tauchte in einem Strudel unter. Er, der so vielen Gefahren entronnen war, kam elend um.

Ob Kaiser Friedrich beim Baden einem Herzschlag erlag oder bei der Flussüberquerung ertrank, lässt sich nicht mit Sicherheit klären. Imad ad Din vermischt beide Versionen:

Der deutsche König wünschte sich, am Fluß zu baden, um den Schmutz zu entfernen, als ihn eine Krankheit ins Höllenfeuer stürzte. Es hieß auch, an einer Stelle hätten die Wogen seine Mannen fortgerissen. Der König wählte dann eine andere Furt, um den anderen voranzugehen. Hier wagte sich der König nicht ohne Besorgnis hinein, als eine Woge ihn fortriß. Er verletzte den Kopf an einem Baum. Man zog ihn noch atmend aus dem Wasser, und der Teufel brachte den deutschen Teufel mit Familie und Gepäck in die Hölle.

Niketas Choniates spricht von Strudeln, was ebenfalls auf eine starke Strömung hinweist. Im Sommer macht der Göksu heute allerdings einen recht harmlosen Eindruck. Die Chronisten sprechen von anhaltender Hitze, also dürfte er nur wenig Wasser geführt haben. Eine Überquerung zu Pferd oder zu Fuß ist an vielen Stellen möglich, ohne schwimmen zu müssen, so wie es auch der Kölner Chronist beschreibt. Der Augenschein spricht für die Versionen des Kölner Chronisten und des anonymen Briefschreibers. Wahrscheinlich ist der Kaiser also an einer Herzschwäche oder an einem Herzschlag beim Baden gestorben. Für den Todesort liefern das Gelände und die Chronisten einige Indizien. Der Historiker und Diplomat Ekkehard Eickhoff hat nach gründlichen Forschungen einen Flussabschnitt des Göksu als wahrscheinlichen Ort des Geschehens ausgemacht. An der vorbeiführenden Straße erinnert seit 1971 ein Gedenkstein an den Tod des deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa.

DAS HEER LÖST SICH AUF

Das Heer war auf die Autorität und den Führungsstil Friedrichs zugeschnitten. Viele seiner Vasallen fühlten sich dem Kaiser mehr verpflichtet als der Kreuzzugsidee. Kaum ist der tote Kaiser aus dem Fluß geborgen, begeben sich die ersten Abteilungen auf den Heimweg. Die Stimmung der Kreuzfahrer spiegelt sich in den Klagen der Chronisten wider. Der Kölner Chronist hadert sogar ein wenig mit Gott:

Gott, dessen mächtiger Hand niemand widerstehen kann..., tat wie es ihm beliebte. Gerecht zwar nach seinem unabänderlichen und unbeugsamen Ratschluß, doch nicht erbarmungsvoll, wenn dies zu sagen gestattet ist. Nicht erbarmungsvoll... wegen des Zustands der Kirche und der langwierigen Verheerung des Landes der Verheißung. An dieser Stelle des betrüblichen Berichts erlahmt unser Stil und verstummt unsere Rede, unfähig die Trauer und die Bedrängnis des in äußerste Gefahr gebrachten Pilgerheeres zu schildern... Nach dem Tod des Kaisers wählte das Heer seinen
Sohn, den Herzog Friedrich von Schwaben, einen Mann von außerordentlicher Tatkraft und Klugheit, zum Oberfeldherrn.


Der Autor des Briefes:

Überreste des Kaisers trugen wir mit der gebotenen Verehrung mit uns und gelangten bis zur berühmten Stadt Tarsus.

An der Küste stehen Schiffe zum Weitertransport bereit. Wer es sich leisten kann, setzt die Reise nach Palästina zu Schiff fort. Andere buchen die vorzeitige Heimfahrt. Der Rest des Heeres marschiert die Küste entlang. In Tarsus werden die leicht verweslichen Teile des Kaisers in der Kathedrale beigesetzt. In der Moschee, die später hier eingerichtet wurde, erinnert nichts an den deutschen Kaiser.

Imad ad-Din beschreibt den Weitermarsch:

In drei getrennten Abteilungen marschierten sie auf Antiochia zu. Die Krankheiten setzten ihnen dabei sehr zu. Die meisten gingen gestützt auf Stöcke, andere ritten auf Eseln ohne das Land zu kennen, durch das sie marschierten...

Der Autor des Briefes meldet über den Marsch nach Antiochia:

Doch endlich rückten wir nach Antiochia vor, wobei wir einen großen Verlust an unserer Habe erlitten und es sechs Wochen an Lebensmitteln mangelte, weil nichts Käufliches zu finden war.

ES WERDEN IMMER WENIGER

Die Kreuzfahrer erreichen Anfang Juli vollkommen entkräftet das lateinische Fürstentum Antiochia. Sie werden versorgt, aber das Missgeschick bleibt ihnen treu. Als eine Seuche ausbricht, wütet sie natürlich besonders unter den geschwächten Deutschen. Die Gebeine des Kaisers werden in der St.-Peter-Kathedrale beigesetzt. Kirche und Grabmal haben die Zeitläufte nicht überdauert. Nach acht Wochen brechen die Überlebenden nach Süden auf. Nach Imad ad-Din werden die Deutschen unterwegs mehrfach angegriffen:

Die Besatzung von Aleppo machte einen Ausfall auf den Straßen des Durchzugs und griff sie in den Sümpfen und Verstecken auf. Auf einen Mann kamen drei Gefangene und keiner erhielt Hilfe von seinen Begleitern. Durch diese Angriffe waren die Deutschen furchtsam geworden. Der Verkauf der Gefangenen erfolgte auf den Märkten zu billigsten Preisen... vor Akkon trafen von den Deutschen nur tausend Mann ein, die völlig erschöpft waren.

JUBEL IN AKKON

Im Feld unbesiegt und doch geschlagen kommen ein paar hundert Deutsche schließlich in Akkon an. Die hier belagerten Muslims hatten vom Tod des Kaisers gehört. Der anonyme englische Chronist schildert ihre Reaktion:

Die belagerten Türken widersetzen sich... auf den Bollwerken der Stadt und bekämpfen die Angreifer, als - siehe - sich ein ungeheueres Geschrei erhebt. In der Stadt dröhnen die Stimmen jubelnder Leute und die Türken ersteigen die Türme und verhöhnen die an den Toren stehenden Christen heftig und rufen: „ Was werdet ihr Elenden tun? Was erhofft ihr noch? Euer Kaiser, dessen Ankunft ihr erwartet, er ist ertrunken..." In der Stadt ließen sie die Trompeten schmettern, krächzten nach ihrer Sitte, lärmten mit ihren Trommeln und zeigten ihre Freude...

Saladin ist hoch erfreut, dass nur ein kleiner Rest des deutschen Heeres vor Akkon eintrifft. Das Kräfteverhältnis ändert sich nur unwesentlich. Als vor Akkon im Januar 1191 auch noch der Herzog von Schwaben stirbt, bemerkt der Kölner Chronist:

Wie groß im Herzen dieses Mannes die Ehrfurcht vor Gott gewesen war, kann jeder aus dem Folgenden erkennen: Auf dem Krankenbett wurde ihm von den Ärzten eröffnet, er könne geheilt werden, wenn er sich dem Liebesgenuss hingeben würde. Er antwortete, er wolle lieber sterben, als auf der Pilgerfahrt Gottes den Leib mit Wollust zu beflecken.

Aus der Betreuung der kranken Deutschen vor Akkon ging der deutsche Ritterorden hervor. Mehr ist als Ergebnis der anfänglich so glanzvollen Unternehmung nicht zu melden. Der Kölner Chronist schließt seinen Bericht:

Vereinsamt also und niedergebeugt und ohnmächtig wie Schafe, welche keinen Hirten mehr haben, trennten und zerstreuten sie sich voneinander und ein jeder machte sich auf den Weg in die Heimat, die Gesunden zuerst. So endete dieser Kreuzzug durch den Willen Gottes und seinen unerforschlichen Ratschluss, ohne den nichts Rechtes begonnen und ohne den nichts Heiliges vollführt wird, erfolglos und nichtig...

Aufatmen kann Saladin nicht. Der englische König Richard und der französische König Philipp sind mit ihren Aufgeboten nach Akkon unterwegs.
Text
Miniatur: Petrus de Ebulo, Liber ad honorem Augusti, Co. 120, Burgenbibliothek Bern, fol. 107
HAUPSEITE Siehe auch www.milger.de